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Nur zur Erinnerung (es ist ja nichts Neues)

ATME e.V. setzt sich dafür ein, dass die Menschenrechte auch von Menschen mit Transsexualität eingehalten werden. Unter "Transsexualität" verstehen wir - vereinfacht ausgedrückt - "abweichender Körper". Zwei Bereiche sind davon betroffen: Recht und Medizin. Eine medizinische Behandlung sollte ohne Geschlechterdeuterei der Behandelnden möglich sein (siehe: Stuttgarter Erklärung). Gleichzeitig sollten Menschen in ihrem Geschlecht(!) auch rechtlich anerkannt werden, ohne dass ein Aussenstehender Gender-Deutung vornimmt.

Was ist das Problem?

Wir haben es in unserer Gesellschaft mit der Deutung von Geschlecht zu tun. Diese Deuterei erachten wir als übergriffig, vorallem wenn es sich um institutionalisierte Deutung handelt. Dazu gehört, dass "Geschlechtsidentität" zu einem medizinischen Behandlungsgegenstand gemacht worden ist. Die Konstruktion von Identität durch staatliche Organe ist Menschenrecht verletzend.

Wer sind diejenigen, die Geschlecht deuten?

Einerseits Psycho-Sexologen, die "Geschlechtsidentität" als behandelnswert betrachten ("Psychopathologisierung"). Dazu gehören auch schwule und lesbische Sexologen (dies gehört zur Wahrheit leider dazu). Andererseits sind es all diejenigen, die körperliche Fragestellungen zu "Identität" umdefinieren.

Welche Muster der Fremdbestimmung haben wir beobachtet?

Es wird gerne so getan, als sei die Nennung von Transsexualität (abweichender Körper) eine Frage der "Begriffe". Ein inhaltliches Thema wird zu einer Frage der Benennung gemacht, und vom eigentlichen Anliegen abgelenkt. Benennungen und "Gender Identity" sind beides Konzepte der Oberfläche, der Einordnung, der Zuordnung, der Deutung. Auch "Transsexualität" ist ein Wort. Aber: Es weist für uns auf eine konkrete Thematik hin... auf "abweichende Körper" (siehe oben). Wird daraus eine Frage der Identität oder der "Begriffe" gemacht, handelt es sich um einen rhetorischen Kniff, um sich nicht weiter mit dem Inhalt beschäftigen zu müssen.

Wer "Transsexualität" zu einer Identität erklärt, tut gerne auch so, als ob "Transsexualität" eine Frage binärer und klarer "Geschlechtsidentitäten" sei. Dies ist falsch. Da "Transsexualität" nicht Identität meint, ist das Thema von Identitäten unabhängig. Jeder Mensch, der weiss, dass da ein Körper nicht dem eigenen Geschlecht entspricht, ist transsexuell - ob binär, non-binär, gender-fluid, ohne Gender-Identität, etc. Die Zuteilung von "Transsexualität" zu "Identitäten" macht das Thema körperlicher Abweichungen unsichtbar. Die Umdeutung von Menschen mit Transsexualität zu Menschen mit abweichender Gender-Identität ist ein Mittel der Geschlechtermacht und Geschlechterhegemonie.

Geschlechtliche Fremdbestimmung sehen wir auch dort, wo aus Geschlecht (und Menschen die ihr Geschlecht kennen) eine Frage der "Geschlechtsidentität" gemacht wird. Wir sehen es da, wo aus Frauen "Transfrauen" werden und aus Männern "Transmänner". Und wir sehen es da, wo aus Menschen mit intersex-Körpern "intergeschlechtliche Menschen" gemacht werden. Es handelt sich um einen Akt, Menschen Gruppen zuzuordnen, ausgehend gesellschaftlicher Stereotype und biologistischer Vorstellungen über Geschlecht.

Warum sind wir noch nicht weiter?

Weil Menschen mit Transsexualität, die eine Identitätskritik formulieren und die Fremdbestimmung durch "Geschlechtsidentität" ablehnen, bisher nicht ausreichend zu Wort gekommen sind oder sogar verleugnet werden.

Thüringen definiert Menschen mit Transsexualität weg

Am 30. Januar 2018 beschloss die Thüringer Landesregierung das Landesprogramm für Akzeptanz und Vielfalt. Obwohl diese Landesregierung eigentlich wissen könnte, dass Menschen mit Transsexualität existieren, wurden sie in dem Aktionsplan netterweise wegdefiniert. Menschen mit Intersex-Diagnose wird zugleich unterstellt, "intergeschlechtlich" zu sein.

Sagen wir mal so: Politikverdrossenheit kommt nicht aus dem nichts. Diese kann beispielsweise dadurch entstehen, wenn Menschen absichtlich ignoriert werden oder sie ohne ihr Zutun umdefiniert werden. Transsexualität ist, so sagen wir immer wieder, unabhängig von Identitäten eine Angelegenheit des Körpers. So können Menschen mit eindeutig ausgeprägter Gender-Identitfizierung dieses Thema haben, aber auch Menschen, die sich selbst als "non-binär" ansehen. Selbst Menschen, welche das Konzept der Identität komplett ablehnen und Identitätskonstruktionen in etwa auf der Ebene von Rassismus anordnen würden - dazu gehören wir - können transsexuell sein.

Die Zuflüsterer des Thüringer Aktionsplans machen nun aus Transsexualität eine Frage der Identität. Aus einer Frage des Körpers (Transsexualität) wird eine Frage der Identifizierung mit einem Geschlecht (Transidentität) gemacht. Ein Körper aber, das wird jedem einleuchten, ist nicht dasselbe wie Identität. Frauen mit vermännlichten Körpermerkmalen beispielsweise werden in diesem Aktionsplan nicht nur als "transident" bezeichnet, sondern aus ihnen werden dann "Transfrauen", die sich "als Frauen fühlen".

Es ist hinlänglich bekannt, dass diese Sichtweise der abweichenden "Gender Identity" einem psychopathologisierenden Konzept der Sexualwissenschaft entstammt, die bisher nicht anerkennen kann, dass z.B. Mädchen auch vermännlichte Genitalien mitbringen können oder Jungs geboren werden können, die einen nicht-vermännlichten Körper mitbringen.

Für Menschen mit Transsexualität ist es nichts neues, umdefiniert oder wahlweise ignoriert zu werden. Dennoch erleben wir dies immer noch als übergriffig und brutal im Vorgehen. Wir möchten die Landesregierung Thüringens dazu auffordern, die beleidigende und menschenverachtende Broschüre "Thüringer Landesprogramm für Akzeptanz und Vielfalt" aus dem Netz zu nehmen und das Programm zu überarbeiten. Vielfalt behaupten und gleichzeitig Vielfalt einzuschränken halten wir für Heuchelei.

So lange es noch online ist:
Thüringer Landesprogramm für Akzeptanz und Vielfalt